Die Friedhofsleitung

Sönke Schroeder

Leiter der Friedhöfe Neumünster
Ideengeber unserer einzigartigen Themengrabfelder

„Seit dem 01.07.2025 leite ich die Kirchlichen Friedhöfe Neumünster. Mein Weg hierher begann allerdings schon viel früher: Am 02.02.1992 habe ich als Gärtnergeselle auf dem Friedhof angefangen, 1995 wurde ich Gärtnermeister. 2013 übernahm ich die stellvertretende Friedhofsleitung.“

Fragen an Herrn Schroeder

Friedhofsleiter und Kreativkopf Sönke Schroeder gibt Einblicke in seine Arbeit und erzählt, wie die Idee zu unseren besonderen Themengrabfeldern entstanden ist, was ihn bei der Gestaltung inspiriert und welche Gedanken und Geschichten in jedem einzelnen Themengarten stecken.

Schon früh hatte ich einen gewissen Hang dazu, Dinge nicht einfach so zu lassen, wie sie sind. Ich wurde nicht ganz ohne Grund irgendwann als „krankhaft kreativ“ bezeichnet und wurde dadurch Leiter der Kreativabteilung des Friedhofs.

Ich habe Außenanlagen gestaltet, Veranstaltungen und deren Dekorationen entwickelt und irgendwann auch die erste Website des Friedhofs gemacht.

Wenn mir etwas durch den Kopf ging und ich dachte: „Das könnte man doch mal machen“, war die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass ich es dann irgendwann auch gemacht habe.

Irgendwann in den 1980er-Jahren begann sich die anonyme Urnenbestattung stärker zu entwickeln. Ein Satz kam dabei immer häufiger zum Ausdruck: „Ich möchte niemandem zur Last fallen und einfach unter dem grünen Rasen liegen.“

Dazu kommt, dass sich Familienstrukturen über die Zeit verändert haben. Familien leben heute häufig nicht mehr an einem Ort, sondern sind über die ganze Welt verteilt. Nicht jeder kann oder möchte ein klassisches Grab übernehmen und regelmäßig pflegen.

Ich wollte eine Lösung für den Wunsch nach pflegefreie Grabangeboten finden und einen Ort schaffen, an dem Menschen gemeinschaftlich bestattet werden können, der aber trotzdem einen persönlichen Charakter und einen festen Bezugspunkt für die Angehörigen bietet.

Und aus diesem Gedanken heraus entstand 2006 die Lutherrose, unser erster Themengarten.

Jeder Themengarten ist ein Unikat, erzählt eine eigene Geschichte und wurde von mir konzipiert und gemeinsam mit unserem tollen Team umgesetzt.

Zunächst versuche ich, ein Thema zu finden, das zu einem Friedhof und zu unserem kirchlichen Kontext passt, aber gleichzeitig Natur und Umwelt sinnvoll einbezieht. Die konkrete Idee entwickelt sich dann mit der Zeit. Oft ganz nebenbei, durch Beobachtungen, Gespräche, Pflanzen, Symbole oder Dinge, die mir im Alltag begegnen. Einen festen Plan, der von Anfang bis Ende unverändert umgesetzt wird, gibt es nicht – im Laufe des Prozesses werden Elemente ergänzt, verändert oder auch wieder verworfen, bis der Garten fertig ist.

Vorhandene Ressourcen spielen für mich ebenfalls eine Rolle. Ich schaue gerne, was wir bereits vor Ort haben und ob sich altes Material oder Gegenstände sinnvoll in eine neue Gestaltung integrieren lassen. Dinge, die vielleicht schon ausgedient haben, bekommen so eine neue Aufgabe.

Ja, da wir eine kirchliche Einrichtung sind, ist uns der christliche Bezug sehr wichtig. Aber auch die Einbindung und Achtung von Umwelt und Natur fallen mit ins Gewicht. Die Geschichten der einzelnen Gärten entdecken Sie übrigens auf Schildern, die an jedem Eingang eines Gartens zu finden sind.

Ich schaue gerne, was wir bereits vor Ort haben und ob sich Materialien oder alte Gegenstände sinnvoll in eine neue Gestaltung integrieren lassen. Dinge, die vielleicht schon ausgedient haben, bekommen so eine neue Aufgabe.

Auch die Skulpturen und künstlerischen Elemente entstehen aus dem jeweiligen Thema und der Geschichte heraus. Sie sollen nicht einfach als „Kunst“ irgendwo stehen, sondern integrierter Teil des gesamten Gartens sein. In unseren Gärten gibt es viele kleine und große Details, die man teilweise bewusst wahrnimmt und teilweise vielleicht erst beim zweiten oder dritten Besuch entdeckt.

Ich bin auf jeden einzelnen Themengarten stolz. Jeder für sich ist ein kleines Meisterstück. Sie sind zu unterschiedlichen Zeiten aus unterschiedlichen Ideen entstanden und haben deshalb alle ihren ganz eigenen Charakter.

Natürlich entstehen diese Gärten nicht allein. Ich habe das Glück, ein hervorragendes Team an Menschen zu haben, die meine Ideen anschließend mit viel Können und Engagement in die Realität umsetzen. Dabei müssen sie durchaus auch einmal spontane Änderungen, neue Einfälle oder die berühmte „kleine Sache, die noch schnell dazu muss“, aushalten.

Dafür bin ich meinem Team sehr dankbar. Ich kann die Ideen haben, aber sie sind es, die daraus Wirklichkeit machen.

Ziel ist es, mit jedem Garten einen geschützten Ort zu schaffen, in den man hineingehen kann und Raum für sich und seine Trauer findet. Unsere Themengärten sollen eine Art „Wohnzimmer-Charakter“ haben. Ein Wohnzimmer dekoriert man schließlich auch nicht nur, damit es schön aussieht: Es soll Atmosphäre schaffen, Geschichten erzählen und ein Ort sein, an dem man sich wohlfühlt.

Gleichzeitig dürfen die Themengärten aber auch einfach schön sein, Atmosphäre schaffen, Geschichten erzählen und ein Ort sein, an dem man sich wohlfühlt.

Die Themengärten sind für mich mehr als schöne Anlagen. Friedhöfe stehen heute von vielen Seiten unter Druck. Die Gesellschaft verändert sich, die Bestattungskultur verändert sich und auch die Anforderungen an einen Friedhof werden immer vielfältiger. Gleichzeitig müssen wir den eigentlichen Wert dieser Orte bewahren.

Ein Friedhof ist ein Ort der Trauer, aber deshalb muss dort nicht alles traurig sein. Wenn jemand durch einen Garten geht, innehält und einfach denkt: „Ist das schön“, dann ist schon etwas erreicht. Vielleicht macht dieser Moment die Seele für einen Augenblick ein kleines bisschen leichter.

Die Natur spielt bei der Gestaltung unserer Themengärten eine wichtige Rolle. Mit einer bewussten Pflanzenauswahl schaffen wir nicht nur eine besondere Atmosphäre, sondern leisten gleichzeitig einen Beitrag zur heimischen Artenvielfalt. Dabei achten wir darauf, Pflanzen einzusetzen, die zum jeweiligen Thema passen und zugleich Lebensraum sowie Nahrung für Insekten und andere Tiere bieten. So verbinden die Themengärten Gestaltung, Erinnerung und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur.

Uwe Krüger

Stellvertretender Leiter der Friedhöfe Neumünster

„Als stellvertretender Friedhofsleiter kümmere ich mich heute um viele organisatorische und kaufmännische Aufgaben rund um unsere Friedhöfe. Zuvor war ich zehn Jahre bei einer evangelischen Kirchenbank und anschließend zweieinhalb Jahre in einem anderen Kirchenkreis tätig. Meine heutige Aufgabe empfinde ich als besonders sinnstiftend – weil es hier nicht nur um Organisation geht, sondern vor allem um Menschen.“

Fragen an Herrn Krüger

Unser stellvertretender Friedhofsleiter gibt Einblicke in seinen Arbeitsalltag, erzählt, was ihn an seiner Aufgabe besonders motiviert, wie er Angehörige bei wichtigen Entscheidungen begleitet und welche Ideen er für die Zukunft der Kirchlichen Friedhöfe Neumünster hat.

Den schönsten Friedhof in ganz Deutschland mitzugestalten und zu leiten. Ich war in meinen vorherigen beruflichen Stationen 10 Jahre bei einer Ev. Kirchenbank und 2,5 Jahre in einem anderen Kirchenkreis tätig und ich halte meine jetzige Aufgabe für eine absolut sinnstiftende Tätigkeit.

Zwei Damen, denen das gleiche Schicksal widerfahren war (der Tod des Ehemanns). trafen sich zufällig auf unserem Friedhof und sind jetzt beste Freundinnen und unternehmen viele Dinge gemeinsam.

Mein Tagesablauf liegt überwiegend in „bürolastigen” Arbeiten: Einholung von Angeboten, Organisieren von Arbeitsmitteln, Austausch mit Mitarbeiter:innen, Finanzbuchhaltung, eigentlich alles, was man braucht, damit ein Friedhof im Alltag funktioniert. Am häufigsten bin ich in meinem Büro anzutreffen, aber ich bin auch oftmals auf unseren Friedhöfen unterwegs, um mir immer ein aktuelles Bild zu verschaffen oder Menschen bei der Auswahl einer Grabstelle zu beraten.

Mit viel Geduld und dem nötigen Einfühlungsvermögen. Zuhören ist dabei ganz wichtig! Die richtige Bestattungsart und Grabstelle für einen Menschen zu finden ist etwas völlig anderes, als ein Auto oder ein Bankprodukt anzubieten. Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch verdient hierbei unser volles Engagement und Aufmerksamkeit.

Auf einen pietätsvollen und würdevollen Umgang mit den Angehörigen.

Ein Hauptwunsch ist es, den Friedhof Neumünster für viele Menschen – egal welcher Altersgruppe – zu einem noch zugänglicheren Ort ohne “gedankliche Barrieren” zu machen und ihn auch noch anders zu nutzen als nur für Bestattungen: Lesungen, Kulturprojekte, Kunstausstellungen und dergleichen. Ein Friedhof kann halt viel mehr als Tod und Trauer.

Es ist leichter, bei diesen Themen auf Angehörige zuzugehen, wenn man persönlich ebenfalls schon schmerzliche Erfahrungen miterleben musste. Es ist auf jeden Fall immer höchst individuell und emotional. Manchmal hilft den Angehörigen aber auch ein kleines Lächeln oder ein wenig Humor. Was mir im Speziellen Trost spendet, kann ich nicht wirklich beantworten. Ich weiß nur, wer mir Trost spenden kann, und das ist meine Familie.