So bunt kann Friedhof auch sein: Das neue Kindergrabfeld gehörte zu den Stationen, zu denen Brigitte Lemke (2. von links) die Teilnehmerinnen des ersten Seelenspaziergangs führte. Foto Nitschke

Der nächste Seelenspaziergang der Hospiz-Initiative beginnt am Sonntag, den 26. August, Treffpunkt ist um 14.00 Uhr vor dem Gezeiten-Café, Südfriedhof, Plöner Str.

Termine 2012, sonntags um 14.00 Uhr
26.08.2012, 30.09.2012, 21.10.2012, 18.11.2012
 

``... es hat etwas ungemein Töstliches``

Ein Dutzend Teilnehmerinnen traf sich zum ersten Seelenspaziergang über den Südfriedhof

Neumünster.

Es sollte noch viel mehr Einladungen zu solchen stillen Spaziergängen über den Friedhof geben", ist Maria Clasen überzeugt. Sie gehörte zu dem Dutzend Teilnehmerinnen, das sich am Sonntag auf den ersten meditativen Seelenspaziergang der  Hospiz-Initiative einließ.

Für den hatte Brigitte Lerne nicht nur die Route festgelegt, sondern auch die kurzen Texte ausgewählt, die sie an den einzelnen Stationen vortrug. Den ersten Stopp gab es an dem neu mit Blumen und Kräutern bepflanzten Grabfeld, das bis vor wenigen Tagen noch üppig mit zart-lila

 


Allia bestückt war. Passend zum Halt an der alten Buche las Lemke Rilkes "Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen". Wie bunt Friedhof auch sein kann, ließ sich am neuen und alten Kindergräberfeld feststellen, wo sich leise kleine Räder im Sommerwind drehten.

Um Georg Jordans Frage ei­nes Kindes nach Krieg und Helden ging es am von dichtem Grün bewachsenen, schattigen Kriegsgräberfeld für ausländische Gefallene. "Aber auch Neumünsteraner Bombenopfer liegen

 


hier", erläuterte Lemke. Und natürlich wurden auch die gestalteten Themen Grabfelder angesteuert. Der Ichthys-Garten mit in der Sonne glitzernder Wasserfläche und den blinkenden Metallfischen im Netz. An der Lutherrose las Lemke aus Cardenals "Zugvögeln", Hölderdin war am Rosendom zu hören. Und zum Ausklang Heine: "Herz, mein Herz, sei nicht beklommen".

Die Mischung der Texte stimmte, ihre Länge auch. Und auch die Mischung aus Gedankenanstoß und schweigendem miteinander Gehen, um in

 


der friedvollen Idylle des Südfriedhofs mit seinem beeindruckenden Baumbestand seinen Gedanken nachhängen zu können. "Das ist schön, es hat etwas ungemein Tröstliches", befand am Ende der Runde Christa Antholz, die frisch von einem Trauerfall betroffen ist.

Während die anderen schon dem abschließenden Gesprächs-Kaffee im Gezeiten­Café zustrebten, konstatierte Maria Clasen: "Solch ein Friedhof sollte viel mehr im Bewusstsein der Menschen verankert sein. Man sollte schon mal hingehen, wo man später bleiben wird. "   
                                            sn

 

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