Grußwort von Herrn Propst Block zur Eröffnung des "Gezeiten-Cafes" auf dem Neumünsteraner Südfriedhof am 27.11.2011

 

Sehr geehrte Frau Pastorin Bremer und sehr geehrter Herr Pastor Schlender,

sehr geehrter Herr Schröder und sehr geehrte Mitarbeitende

der Neumünsteraner Friedhöfe,

 

sehr geehrte Gäste, meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

ich bin heute gern gekommen, um mit Ihnen die Eröffnung eines ganz besonderen Gebäudes zu feiern, das wir als evangelische Kirche unserer Stadt zur Verfügung stellen wollen: Das Gezeiten-Café hier auf dem Südfriedhof.
 

Und als leitender Geistlicher dieser Stadt überbringe ich Ihnen dazu die herzlichsten Grüße und Segenswünsche des Kirchenkreises  Altholstein! 

Ich gehe gern gerade über unseren Zentralfriedhof einfach so, wenn es meine Zeit zulässt. Denn ich finde, ein Friedhof tut der Seele gut:
 

als Ort, wo über Generationen Abschied genommen;

als Ort, wo Menschen ihren Frieden machen mit sich und mit denen, die sie gehen lassen mussten; und insofern auch als Ort der Zwiesprache zwischen Himmel und Erde.

 

Und unser Friedhof spricht zu mir:

als Naturraum mit Novembernebel zwischen den hohen Bäumen ebenso wie mit fröhlichem Vogelzwitschern im Mai; mit würdevollen Grabmalen aus der großen Zeit unserer Stadt ebenso wie mit kleinen Steinen für namenlose Kriegsgefangene;

und nicht zuletzt mit all den vielen Orten, wo die Erinnerung

an ein Leben zu uns Vorübergehenden spricht in unter­schiedlichster Grabgestaltung: spricht von Schmerz, Sehn­sucht und Glaubenshoffnung.

 

Aber weil sich in heutiger Zeit unsere Friedhöfe grundlegend verändern, weil unsere Grabflächen durch Urnenbegräbnisse

kleiner und die Grabgestaltungen nicht selten immer karger werden, deshalb wird es immer wichtiger, dass es zu einer Gestaltung kommt, die dem Friedhof weiterhin eine Sprache, die zum Gespräch über Leben und Tod einlädt.     ­

 

Ich bin da dem Kirchengemeindeverband Neumünster und be­sonders unserer Friedhofsverwaltung mit all ihren Mitarbeitenden dankbar, dass sie sich gerade dieser Aufgabe angenom­men haben: Ob mit Dorotheengarten oder Rosendom, Ichthysgarten, Lutherrose oder Schmetterlingsgarten - hier versucht man durch eine wirklich kreative Gartengestaltung und künstlerische Akzentuierung, einer Sprachlosigkeit und Deu­tungsarmut entgegenzuwirken und unserem Friedhof als Ort zum Verweilen und Nachdenken, ja auch Sprechen über Lebensgrund und Lebensziel zu erhalten.

 

Und nun soll heute das Gezeiten-Cafè eröffnet werden: "Ein Ort zum Wohlfühlen auf dem Friedhof Neumünster" - so verspricht es die Pressemittelung. Ein Friedhof als Ort zum Wohlfühlen? So etwas erwartet man gemeinhin nicht!

 

Und doch – wenn ein Friedhof eben auch ein Ort der Lebensdeutung und des Gespräches über das, was uns alle un­mittelbar angeht, sein kann und sollte - was liegt da näher, dass wir dazu auch einen kommunikativen Ort schaffen? Also ein Café, verbunden mit verschiedenen Möglichkeiten der Beratung, ja sogar der Seelsorge? Ein Ort, wie ich finde wunderbar integriert in die Gartenland­schaft, von archetektonischer Harmonie und doch Schlichtheit, wo spürbar wird, dass wir an einen Gott glauben, der Tote und Lebende miteinander gnädig umfängt?

 

Und so möchte ich allen danken, die am Werden dieses Ortes mitgewirkt haben:

den Verantwortlichen des Kirchengemeindeverbandes, stellvertretend seien hier Frau Pastorin Bremer als Vorsitzende und Herr Pastor Schlender als Friedhofsbeauftragter genannt;

den Architekten Herrn Wittort von unserem Kirchenkreis als

Planer sowie Herrn Fehrs für die Bauleitung;

den Vertreterinnen und Vertretern unserer Heimatstadt Neumünster, die das Projekt mit viel Unterstützung und wenn nötig auch einmal mit konstruktiver Kritik begleitet haben;

und nicht zuletzt unserem Friedhofsleiter Herrn Schröder

mit seinem Team sowie allen bauausführenden Firmen mit ihren Mitarbeitenden.

 

"Mache dich auf und werde Licht - denn dein Licht kommt" - So lautet ein moderner Kanon zum Advent, also für die Zeit, in die wir heute treten.

 

Ich wünsche allen, die auf unseren kirchlichen Friedhöfen Frieden suchen und Begegnung, Trost und Lebenshoffnung, dass Gott ihnen das Licht seines Kommens in unser Leben, dass er ihnen und uns seinen Advent spüren lässt.

 

Dabei werde auch das Gezeiten-Café ein guter Ort.

 

Vielen Dank.                                                                                                                                                                                    zurück