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Fröhlicher Arbeitseinsatz auf dem Nordfriedhof
33 junge Menschen pflegen die Gedenkstätte gefallener Soldaten

Neumünster - Dass Hinrich Griebel, Karl Kruse und auch Adalbert Marx ihren Soldatentod im Ersten Weltkrieg vor Augen gehabt haben, ist nicht unwahrscheinlich. Was sie sich mit Sicherheit aber nie gedacht haben werden: Dass mehr als acht Jahrzehnte später einmal Jugendliche aus damals eher "befeindeten" Nationen ihre Gedenkstätten auf Neumünsters Friedhof pflegen würden.

Von Sabine Nitschke  

Nicht Grabesruhe, sondern fröhliches Stimmengewirr und Gelächter sind angesagt auf der rund 800 Quadratmeter großen Gedenkstätte auf dem Nordfriedhof, wo die Teilnehmer des Camps des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge gestern Vormittag ihren ersten Arbeitseinsatz hatten. "Mann, die hauen aber gewaltig rein", ist Dieter Schröder von der Friedhofsverwaltung beeindruckt.
Mädchen und Jungen packen voller Elan zu beim Herausreißen der  überalterten Erika-Stauden, die durch neue ersetzt werden sollen. "Und dann werden wir die Inschriften auf den insgesamt 200 Gedenksteinen wieder lesbar machen. Für den Fall, dass überhaupt keine  Buchstaben mehr erkennbar sind, haben wir Namenslisten", erklärt Arne Olaf Jöhnk, Leiter des Jugendlagers.

Aus Klaipeda (ehemals Memel) in Litauen kommt Anna Scedrova. Die 17 -Jährige, die später gern in Deutschland studieren würde, reizt an  dem Einsatz vor allem die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse vor Ort zu vervollkommnen. Anna ist ein wahres Sprach-Genie:

 

 

Sie spricht Deutsch, Russisch, Litauisch und Englisch. Und sonntags, wenn andere die Freizeit genießen, besucht sie noch eine polnische Schule.

"Auch um Geschichtsbewältigung" geht es Jan Göcknick (17) aus Kiel bei dem Meeting, bei dem 33 junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren auch aus Bulgarien, Estland, Moldawien, Polen, Russland der Slowakei, Tschechien und Weißrussland mitmachen. Wie sie sich miteinander verständigen? "Auch mit Hände!", ruft Ales Marsa, 21-jähriger Student der Wirtschaftswissenschaften aus dem tschechischen Brno.

Die Nationalitäten Zusammensetzung ist in den Augen von Jöhnk typisch: "Jugendliche aus westlichen Ländern sind zu solchen Lagern weniger zu bewegen. Und das ist schade. Denn alte Vorteile gegeneinander keimen schnell wieder auf.

Für den 18-jährigen Tarvo Kelder aus dem estnischen Voka ist es der erste Auslandsaufenthalt überhaupt, für den er mit den anderen (bekocht von der Truppenküche in Boostedt) zusammen in Neumünsters Wippendorfschule untergebracht ist. Wochenend-Ausflüge nach Berlin und Hamburg werden die jungen Leute unternehmen, eine Wattwanderung. Das Freizeit-Programm sieht eine ganz bewusste Mischung vor, zu der ein Besuch der Karl-May Festspiele genauso gehört wie die Besichtigung der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Jöhnk hofft, dass am Ende der drei Wochen das Motto des Volksbundes auch für die Camp Begegnung in Neumünster gegriffen hat: "Versöhnung, Verständigung, Freundschaft!"

02.07.2004

 

Kontakte knüpfen und Gräber pflegen
 

Neumünster - Auch in diesem Jahr veranstaltet der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge sein internationales Jugendlager - verbunden mit der Pflege von Kriegsgräbern. 34 junge Leute aus zwölf Nationen reisten am vergangenen Sonntag aus osteuropäischen Ländern wie Polen und Tschechien, aber auch aus westlichen, damals mit Deutschland im Krieg, befindlichen Ländern wie Großbritannien an. Bis zum 22. Juli werden die 16- bis 21-Jährigen in Neumünster bleiben, untergebracht in Räumen der Wippendorfschule. In Abstimmung mit der Friedhofsverwaltung pflegen sie Gräber von Opfern der beiden Weltkriege sowie das Drumherum auf dem Nord- und Südfriedhof. Aber auch Ausflüge gehören zum Programm: in den Hansapark, zu  den Karl-May-Festspielen, nach Berlin oder ins Watt. Und ernsthafte Besuche stehen auf dem Terminplan, etwa die Führung durch die KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Neben dem Umgang mit der gemeinsamen Geschichte geht es vielen jungen Helfern um das Knüpfen von Kontakten zu Gleichaltrigen im Ausland: "Am Ende gibt es Adresslisten von allen, mit vielen vom letzten Jahr habe ich noch Kontakt", so Kerstin Freudenreich aus Hemer im Sauerland. Sie ist eine von drei jungen Helfern aus  Deutschland.

 

Ihr Großvater war damals im Krieg, "aber er erzählt wenig, und in der Schule hatten wir die Weltkriege nur kurz". Deshalb wolle sie sich auf diese Art und Weise  mit der Geschichte auseinander setzen. Aus Estland kommt Regina Ohak, ihr geht es vor allem darum, neue Leute kennen zu lernen. Krieg ist aber auch für sie ein Thema: "Meine Verwandten, aber auch meine Lehrer haben mir vom Krieg erzählt", so Regina. Anuzka Nedved aus Tschechien wiederum möchte sich mit Jugendlichen aus anderen Ländern über die Geschichte unterhalten. Andere wie Andry Mitrev aus Bulgarien oder Fiona Malkin aus Großbritannien wollen außerdem noch ihr Deutsch verbessern, sie denken daran, später eventuell in Deutschland zu studieren. Während sie gemeinsam auf dem Neumünsteraner Friedhof die alten Erika-Stauden herausreißen, unterhalten sich viele auf Englisch oder Deutsch. "Nebenbei habe ich auch schon fünf Wörter Russisch gelernt", freut sich Amelie Heinhold. Um den Jugendlichen das Kennenlernen etwas zu erleichtern, stellt sich jedes Land auf einem "internationalen Abend" vor. Einige kochen, andere tanzen oder singen - Hauptsache, der Beitrag kommt aus ihrem Heimatland. Wie die drei Jugendlichen aus Deutschland sich vorstellen wollen, wissen sie allerdings noch nicht.             
                                                      mmr / 09.07.2005

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