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Ein Grab kann helfen

Für viele Menschen ist der Gang zum  Friedhof verbunden mit lästigen Pflichten. Die Pflanzen müssen gepflegt werden, der Grabstein muss gereinigt werden, das Laub der großen Bäume muss entfernt werden, und schon wieder hat jemand etwas von der Grabstätte gestohlen. Bei allem Aufwand und Ärger sollten wir aber nicht vergessen, dass eine Grabstätte auch eine heilsame, kraftspendende und hilfreiche Wirkung auf unser Leben haben kann.

Wenn ihnen die Grabpflege viel Mühe macht, gestalten sie ihre Grabstätte so, dass möglichst wenig Pflegeaufwand erforderlich ist. Immer wieder ist zu hören: „Ich will meinen Angehörigen nicht zur Last fallen und möchte deshalb anonym bestattet werden“. Sind unsere Toten denn nur noch eine Last für uns? Wie wenig muss ich mich selbst achten, um diesen Satz zu sagen? Wie wenig Verbundenheit und Vertrauen empfinde ich für die geliebten Menschen, mit denen ich mein Leben geteilt habe?

Die Grabstätte ist wichtig auch für die nachfolgenden Generationen – Kinder, Enkelkinder, Freunde, Nachbarn. Sie hält die Erinnerung an den Toten wach und hilft Ihnen mit ihrer Trauer besser leben zu können. Bei der Anlage und Pflege der Grabstätte können Ihnen die Mitarbeiter von der Friedhofsverwaltung und die Friedhofsgärtner mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Wir kennen kaum noch Riten und haben auch kaum noch eigene Erfahrungen, die uns zeigen, was man bei einem Friedhofsbesuch tun kann, um die positiven Wirkungen einer Grabstätte für sich zu erfahren. Hier ein paar einfache Hilfen um diese Wirkungen erleben zu können.

Nutzen sie den Weg zum Friedhof, dem Ort der vom Alltagsleben abgeschieden ist, und lassen Sie die Alltagssorgen hinter sich. Der Friedhof ist ein besonderer, ein heiliger Ort - eine Art räumliche Auszeit - der den Toten Ruhe und Frieden schenkt. An den Tagen, an denen weniger Menschen auf den Friedhöfen sind, ist die Ruhe und der Frieden dieses Ortes von den Friedhofsbesuchern ganz besonders zu spüren.

 

Die größte Wirkung hat ein Besuch am Grab, wenn sie alleine hingehen und sich ganz auf ihre Gedanken einlassen können. Erinnern sie sich vor allem an das Gute, was der Tote ihnen allen hinterlassen hat. Wenn sie in Begleitung hingehen, unterhalten sie sich über den Toten und sprechen sie gemeinsam über ihre guten und evtl. auch schwierigen Erinnerungen.

 

Bringen sie etwas mit zum Grab - vielleicht eine Blume, ein Steinchen oder ein Gesteck. Gestalten und pflegen sie das Grab nach ihren Vorstellungen - ein letzter Dienst an den Verstorbenen. Dies schafft eine Verbindung zwischen der Welt der Toten und der Welt der Lebenden. Sie geben dem Toten damit einen guten Platz in ihrem Herzen.

Nicht die Dauer des Friedhofsaufenthalts ist entscheidend. Auch ein kurzer Besuch am Grab kann eine gute Wirkung danach entfalten. Sprechen sie ein Gebet am Grab und stellen sie sich vor, dass die Pflanzen, der Grabschmuck und der Grabstein ebenfalls auch ein Gebet sind. Sollten dabei Tränen fließen, ist das gut, denn Tränen haben eine heilende Wirkung in ihrer Trauer. Wünschen sie dem Toten alles Gute, wenn sie den Friedhof wieder verlassen, und sagen sie sich: „Mit mir soll es gut weitergehen.“

Besuchen sie auch das Grab eines Menschen, der sie verärgert, enttäuscht oder gekränkt hat. Davon kann eine heilende Wirkung für sie und ihre Familie ausgehen. Lassen Sie die Toten bewusst zurück, wenn sie vom Grab weggehen. Die Toten dürfen auf dem Friedhof bleiben - „Es darf vorbei sein“. Wenn Sie das spüren, hat auch der Tote seinen Frieden. Genießen sie es, langsam wieder in ihren Alltag zurückkehren zu dürfen. Freuen Sie sich über Ihr Leben. So kann der Besuch an einem Grab von einer lästigen Pflicht immer wieder zu einer guten Kraftquelle werden.

 

Viele Menschen sind bemüht, ihren Verlust schnell hinter sich zu bringen und weiterzugehen, um über ihre Trauer hinwegzukommen. Wenn aber ein Mensch stirbt, hinterlässt der Tod ein Vakuum im Leben derer, die zurückbleiben. Das Leben ist niemals wieder so, wie es vorher war. Dies bedeutet nicht, dass man im Leben nicht mehr froh und glücklich sein kann. Selbst die Erfahrung des Verlustes eines geliebten Menschen kann sich in etwas Positives umwandeln. Psychische Schmerzen können für uns ein Pfad auf dem Weg zu ständigem spirituellem innerem menschlichem Wachstum werden. Wir wissen aber auch, dass unsere Trauer keinen Anfang, keine Mitte und kein Ende hat. Unsere Trauer verändert sich mit der Zeit, sie kann schwächer werden und andere Formen annehmen, ganz verschwindet sie nie.

 

Dieter Schröder - Kirchliche Friedhöfe Neumünster